Stormtrooper Till Death

Die Zeit vergeht und doch ändert sich in Wirklichkeit kaum was. Zumindest in meinem persönlichen Feeling was gut und böse betrifft. Das war schon als 6jähriger so. Als ich seinerzeit, 1978 muss das gewesen sein, mit meinem Dad das Kino verlassen habe, wo ich mich zuvor rund 2 Stunden von martialischen Weltraumschlachten ernährt habe, war klar, wo ich hingehörte. Krieg der Sterne – erster Teil. Mehr muss ich nicht sagen. Während der Rest der “normalen” Kinder ansatzlos mit Ästen als Lichtschwerter, Luke Skywalker oder Han Solo gemimt haben, war ich persönlich eigentlich viel mehr vom dunklen Darth Vader, dem Imperator und deren Vasallen fasziniert. Da wollte ich viel lieber dazu gehören, als zu den halbseidenen Jedis. Genauso später in der Schule als ich mit den ersten Raumschiff Enterprise-Liebhabern konfrontiert wurde. Pfff. Was wollten mir die mit ihren geleckten Frisuren und Ballet-Tänzer-Uniformen erzählen? Alleine ihr schwules Schiff… wenn ich da an “unsere” AT-AT´s und Sternenzerstörer denke. Muhahahah. Alter, was wollen die? Jaja, so war das damals und im Grund hat sich diese Einstellung bis heute nicht geändert, hehe. Auch wenn die Bösen immer abgebissen haben. OK, die Guten haben halt immer die Gefühlssulze und das nötige Glück hinter sich gehabt. Was willst du da nur machen…

Wie im Weltraum, so auf dem Planeten Erde. Sollte man meinen. Insbesondere was das Angeln betrifft. Raunzen hilft; das ist unbestritten. Je mehr man wimmert und sich beschwert, desto eher kann man dem vorbeiziehenden Glück einen faustdicken Ast in die Speichen werfen. In meinem Fall waren es diesmal 2 verschiedene Sorten bestialische Hook-Pellets, die ich dem Meister Weasel bei meinem letzten Besuch im Shimano HQ abgeraunzt habe. THX an dieser Stelle, daß ich die Ausstellungsstücke einziehen durfte. Anfangs war ich doch etwas gehemmt, angesichts der Tatsache, dass sich die fetten 30mm SourceGranaten in meinen zarten Pygmäenhändchen doch wirklich groß angefühlt haben. War ich mittlerweile zu präpotent? Möglich, aber scheisst ein Hund drauf. Die dunkle Seite der Macht wirds schon richten. Gut, der etwas kleinere 22er Marine Halibut ließ sich dann schon lockerer auf die zweite Falle montieren. Schaun wir mal, ob der Pelletspaß reingeht…

Den ganzen Tag rührt sich nichts, was noch nicht viel heissen mag. Schlau wird man aus der Grube ohnehin nie. Aber das ist nichts Neues. Am späteren Nachmittag ziehen am Horizont langsam dunkle Wolken auf und ein ungutes Gefühl in der Magengegend macht sich breit. Nein, nicht weil ich in der Nacht davor um 1 in der Früh ein fette Pizza eingeschnitten habe, sondern weil ich spüre, dass sich da was Bösartiges zusammenbraut, was mein Dasein am Wasser nicht unmittelbar angenehmer machen wird. Aber ich weiß auch, dass ich immer dick da bin, wenn die Welt droht, aus ihren Fugen zu geraten. Ich musste es nur durchstehen. Wie oft schon, sind plötzlich gegen Ende von Sturm und Gewittern die Mühlen gerannt, während sich 95% vom Rest der anderen Angler bereits beim Herannahen verdünnisiert hatten?! Verdammt oft. Denn ich bin so einer. So ein typischer Sturmfänger. Wenns ultimativ beschissen ist, läuft meine vermaledeite Glücksfee zu ihrer Bestform auf. Die kann ebenfalls nur von der dunklen Seite sein. Anders ist das nicht zu erklären…

Die sterbenden Sonnenstrahlen werden von Dunkelheit und Gram verschluckt, die letzten verbliebenen Heuschrecken trillern ihr Lied in den drohenden Untergang und als erfahrener Freiluftfanatiker weiß man, dass es gleich brutalst scheppern wird. Und dem war auch so. Zwei Stunden klebe ich unter meinem Schirm und verspüre tatsächlich sowas wie die Angst davor, dass jetzt gleich die Leine von der Rolle bläst. Blitze, Donner, strömender Regen. Wahrlich zum Scheissen. Es wäre so typisch für mich, wenns genau jetzt passiert. Doch der Wind legt sich, der Tropfenintervall zunehmend lockerer und es scheint tatsächlich überstanden zu sein. Halb erahnt und doch plötzlich überrascht, krächtzt sich Funkkollege Delkim die elektronische Seele aus dem Leibe. Vollabzug. JAWOI! Der Stormtrooper ist zurück. Muahahahah – und schon ist der Stecken krumm und ich kann mich in den letzten Regentropfen und aufklarendem Dämmerungshimmel der Drillextase hingeben. Kein  Lüftchen regt sich mehr, als ich den halbstarken Spiegelbullen in den Kescher lotse. YES! Der 22er Pellet hat sein erstes Opfer gefunden. So soll es sein…

Und jetzt wars wirklich geil am Wasser. Der Schuppenlose glitt langsam und fast lautlos zurück, während sich der erste Regenbogen am dahinsiechenden Himmel manifestierte. Mit zwei, drei gemächlichen Schwanzschlägen verschwand der Graufuchs in der flüssigen Finsternis. Irgendwo schrie ein Fasan. Zu unecht und doch so real. Als ich später in den sternenüberflutenden Nachthimmel blickte, musste ich unweigerlich an Sternenzerstörer und ans Hoth-System denken. Logisch, oder? Bereits angelspezifisch befriedigt rolle ich mich in obligater Opossumstellung in den Schlafsack und entgleite in interstellare Raumgemetzel. Bei mir gewinnen wenigstens die Bösen. Halbdrei in der Früh. Entweder besoff ich mich gerade mit Jabba the Hutt, während sich halbnackte Mutantenbräute zu abgefahrener Spacemusik vor uns im Schlamm rekelten oder saß in einem AT-ST und hetzte die Ewokhorden vor mir her. Ich weiß es nicht mehr so genau. Im Augenblick war es sowieso egal, denn ein geliebtes Trällern meiner Funkbox zwingt mich zum Stock mit der Ungeheuer-Montage. Da hat doch tatsächlich irgendwas den 30er inhaliert. Schon bei Kontaktaufnahme war klar, dass dies nun ein äußerst grobschlächtiger Proband sein musste, denn da lief immer noch die Schnur von der Spule, obwohl ich schon merklich die Bremseinstellung forcierte. Joooooooooo. Monsterschweinalarm. Kumm. I brauch di wie an Bissen Brot. 15 Minuten kämpfe ich in der Finsternis der Nacht gegen einen Kandidaten, der sich offensichtlich gar nicht damit abfinden will, dass er einen Fehler begangen hatte. Doch keine Chance gegen den Darth Vader des Westufers. Der Haken klebt perfekt in der Unterlippe und ich kann den Koloss beim ersten Kescherversuch einnetzen. BIST DU DEPPAT! Da lag auf einmal eine Sau vor mir in der Matte, mit der ich besten Willen nicht gerechnet hätte. Einfach zu geil…

Hier persönlich fettester Spiegler und zweitschwerster Fisch überhaupt, seit ich die Hollywood-Lacke beackere. Köderpräpotenz gepaart mit der dunklen Seite der Macht wird offensichtlich belohnt. Na gut, damit kann ich leben. Soll nichts Schlimmeres passieren. Und solche orkanartigen Stürme und Unwetter könnten ruhig öfters stattfinden, wenn ich am Wasser bin. Ich hab kein Problem damit. Denn es ist wie es scheint und nicht mehr von der Hand zu weisen. Stormtrooper till death…

tight lines

Sludge

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