SCHWARZ AUF WEISS!

Der Waller hatte für mich schon seit jeher einen ausgesprochenen Reiz. Waren es die unglaublichen Geschichten von meinem Vater, als er unverhofft mit einem solchen Fisch in Kontakt trat und chancenlos zusehen musste, wie ihm Meter für Meter von der Rolle gerissen wurde, ohne dem Fisch auch nur im Geringsten Parole bieten zu können oder einfach die majestätische Erscheinung, die andere wiederum als furchterregend oder gar hässlich bezeichnen würden.

Was es wirklich ist, das mich an diesem Fisch so fasziniert, kann ich nicht konkret beantworten. Wahrscheinlich sind es die vielen Unbekannten, die mein Interesse immer wieder aufs Neue wecken.

Aufgrund der Tatsache, dass es diesen Sommer für mich fast unmöglich war, einen anständigen Zander zu haken und mir zusätzlich gleich am ersten Juni ein ordentlicher Waller beim Zanderangeln verloren ging, wurde der Spieß kurzerhand umgedreht und die Sommerfischerei nach dem xten Nachwuchsstachler fast ausschließlich auf Wels umgestellt.

Doch etwas irritiert, kassierte ich gleich bei der ersten Tour einen derben Einschlag. Leider hat sich dieser Fisch vollkommen unnötig nach nur wenigen Augenblicken verabschiedet.

Etwas aufgestachelt und top motiviert konnte beim darauffolgenden Versuch das erste Kreuz auf der Habenseite gemacht werden. In weiterer Folge gab es selbstverständlich immer wieder mal Rückschläge und auch Fischverluste, aber meine Bissfrequenz konnte ich insgesamt stetig auf einem erträglichen Level halten.

Bei meinen Touren konnte ich auch ein Stück weit lernen, die Zeichen der Waller zu deuten. Meinen Beobachtungen nach zeigt sich ein aktiver Waller nicht immer auf die brutale Weise, wie man es von ihm vermuten würde. Oft konnte das Ganze nur vom Verhalten anderer Fischarten abgeleitet werden. Gleichungen, die fast immer aufgingen: Waller aktiv = Zander inaktiv, Zander aktiv = Waller inaktiv oder Rapfen aktiv = Waller aktiv, … .

Außerdem konnte ich feststellen, dass man mit der Ködergröße sowohl beim Spinnangeln, als auch stationär ruhig eine Nummer kleiner gehen kann. Kaum bis nie wurden Köder attackiert, die größer als eine Laube waren. Die Montage sieht zwar ziemlich behämmert aus, wenn man durch einen 12-15 cm Gummi einen 7/0er (aufwärts) Jighaken zieht, aber was solls.

Weiters zeichnete sich ab, dass Waller (bis zu einer gewissen Größe) sehr gesellige Tierchen sind, extrem schnell lernen und sehr heikel auf Veränderungen wie z.B. auf spontan steigenden Angeldruck reagieren. Passt ihnen irgendetwas nicht in den Kram, geht die Größe der Fische binnen kürzester Zeit rapide nach unten bzw. wird die Raubroute gänzlich anders angelegt. Dies zu erkennen und dabei die richtigen Schlüsse zu ziehen, kann äußerst fordernd sein.

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(Wallerfischen ist für mich eine permanente Gratwanderung, bei der Frustration und Erfolg sehr nahe beisammen liegen. In der Regel entscheidet darüber ein einziger Biss, der nach 5 Minuten oder mehreren Angeltagen des Leerlaufs kommen kann. Wenn es einmal halbwegs klappt, ist es das Schönste auf der Welt. Hat man dann auch noch Glück, wie bei diesem „Goldfisch“, ist es einfach zum Durchdrehen!!!)

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(Wie man an folgendem Bild schön sehen kann, habe ich auch einige Varianten bezüglich des Einsatzes von Handschuhe erprobt. Irgendwann – mag sein, dass die eine oder andere nässende Schürfwunde mitverantwortlich war – kam selbst ich zum Schluss, dass es am besten ist, wenn sich der Handschuh an jener Hand befindet, mit welcher man dem Fisch ins Maul greift 😉 .)

 

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Als Gerät kam bei den schleimigen Angelegenheiten ausschließlich die Lesath BX 240 XH Powergame mit einem Wurfgewicht von 60-120 Gramm in Verbindung mit einer Saragosa 6000 SW zum Einsatz. Hatte ich anfangs noch mit einer PowerPro 0,32 mm gefischt, wurde nach den ersten Kontakten auf eine 0,46er gewechselt, um im Ernstfall auch genügend Reserven zu haben, falls die erhoffte „Granate“ wirklich einmal einschlagen würde.

Bezüglich der Lesath BX 240 XH Powergame möchte ich festhalten, dass sich sicher nicht jede Rute mit einem angegebenen Wurfgewicht bis 120 Gramm für das Uferangeln auf Waller eignet, diese jedoch eine sehr spezielle Aktion aufweist, die eigentlich fürs GT-Angeln gedacht ist. Relativ flexibel in der Spitze wird die Rute in Richtung Griffteil zu einem wahren Monster. Entsprechend der Belastung öffnet sie ihre parabolische Aktion, wobei im letzten Drittel stets genügend Spielraum bleibt, um auch harte Schläge spontan abfangen und somit den Drill schon frühzeitig für sich entscheiden zu können.

Immer wieder war ich damit konfrontiert, dass mir Fische nur knapp vor den Füßen an den Haken gingen. Dabei war ich über die Reaktionsfreudigkeit der Rute heilfroh, da es sonst wahrscheinlich zu unfreiwilligen Badegängen gekommen wäre.

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Zur Saragosa 6000 SW braucht man nicht wirklich viel sagen, das ist ein Kraftpaket par excellence. Da wackelt und rutscht nichts. Ist die Bremse geschlossen, dann ist die Bremse auch wirklich geschlossen.

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Für mich hat sich diese Kombi in vielen Belangen als perfekt für die heimische Wallerfischerei herausgestellt. Angenehm leicht und auch von der Länge her ausgesprochen flexibel einsetzbar, kamen neben Gummi und Co. auch immer wiedermal Naturköder an die Leine.

Vor der Haustüre sind es selbstverständlich nicht immer die 100 kg „Brecher“, aber aus eigenen Beobachtungen weiß ich, dass auch bei uns die Möglichkeit zu einem solchen Ausnahmefische stets gegeben ist.

Unabhängig von der Größe ist es für mich jedes Mal wieder ein beeindruckendes Erlebnis, wenn mir bewusst wird, dass am anderen Ende ein Waller auf mich wartet, die ersten Umrisse zu sehen sind und ich den Fisch schlussendlich landen kann.

 

Thight Lines und Petri Heil!

Hans-Peter

 

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