Gejerkte Freiwasserhechte

“Man kommt sich schon etwas komisch vor, wenn man mitten in einer Wasserwüste über 6 Meter tiefem Wasser Jerkbaits durch die Gegend schleudert. Doch manchmal muss man einfach etwas anders machen, um erfolgreich zu sein.”

Für 2014 habe ich mir abseits meiner Donaureviere ein neues Gewässer vorgenommen um die wenigen aber potentiell großen Hechte zu befischen. Mein Ziel: genau ein kapitaler Fisch. Der Stausee mit seinen vielen verschiedenen Tiefenbereichen aber wenig Strukturen am Grund sollte sich aber noch als harte Nuss erweisen…

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Bereits im Jänner vor der Schonzeit kamen erste Erfolge und ließen mich auf einen ertragreiches Jahr hoffen, doch schnell stellte sich heraus, dass es sich bei den ersten Fängen eher um Zufallstreffer handelte.

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Sobald das Kraut zu sprießen begonnen hatte und die Schonzeit endlich zu Ende war, legte ich wieder mit vollem Einsatz los. Doch bis auf einen kleinen Schniepelhecht war die nächsten Wochen und Monaten eine komplette Sendepause angesagt. Ich angelte mit Topwaterkwödern, schleppte große Gummifische und Wobbler in allen Tiefenschichten, jiggte und jerkte in sämtlichen Bereichen des Sees. Das Resultat: NICHTS!

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Ich habe schon fast aufgegeben, doch jetzt im Dezember will ich noch ein letztes Mal angreifen mit einem Plan im Gepäck. Ich lasse mich mit dem Driftsack übers Freiwasser treiben in Tiefenbereichen zwischen drei und sechs Metern und schlage tieflaufende Jerks im Zeitlupentempo durch das glasklare Wasser. Die monotone Wasserfläche schlägt einem schnell aufs Gemüt, doch wie so oft beim Angeln spielt sich alles im Kopf ab. Ohne Vertrauen kein Fisch! Also vertraue ich und siehe da, wenige Meter vor dem Boot sehe ich plötzlich einen Schatten auf meinen Jerk zuschießen. Einen Wimpernschlag später ist die Rute krumm und ein kugelrunder, grantiger Winterhecht kommt auf einen Kurzbesuch zu mir ins Boot. Na bitte!

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Ich halte mich ab sofort in genau diesem Tiefenbereich auf und werfe vom Tiefen ins Flache, immer und immer wieder. Plötzlich der nächste Schlag in der Rute, diesmal in voller Wurfdistanz. Biss und Drill ließen mich auf einen größeren Kontrahenten schließen, doch Hecht ist Hecht. Und überhaupt ist das Wichtigste ohnehin, dass meine Strategie endlich aufgegangen ist.

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Have a break, denke ich und bleibe an Ort und Stelle für einen kleinen Imbiss. Ein paar Bissen später bin ich wieder am Start mit demselben Jerk am selben Spot. Bereits beim ersten Wurf verfolgt ein kapitaler Fisch den Köder bis knapp vor das Boot. Während ich mich schon bereit mache, die berühmte Acht mit der Rutenspitze ins Wasser zu zeichnen knallt es mächtig im Handgelenk und ein kurzer aber heftiger Drill beginnt. In solchen Situationen muss man sich zu 100 Prozent auf sein Gerät verlassen können und wird dafür belohnt, seine Knoten und Schnüre akribisch auf Schäden und Haltbarkeit überprüft zu haben. Meine Jerkkombo hält (♐ Shimano Yasei Casting Jerkbait H | ✇ Shimano Calcutta 201B | ↔ Power Pro 0,23) und ich darf meinen größten österreichischen Hecht des Jahres 2014 in die Kamera halten. So hart habe ich mir schon lange keinen Fisch mehr erkämpfen müssen und erinnere mich an die vielen harten Schneidertage. Am Ende ist die Belohnung aber umso größer, je mehr man dafür investieren musste. Ziel erfüllt – 2015 kann kommen!

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Und hier noch einmal von vorne inklusive Entenschnabel:

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So long und tight lines,
Andreas

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