Erstens kommt es anders, …

Wenn der Griff ins Klo schon nicht ausbleibt, dann zumindest mit Anlauf. So oder so ähnlich könnte man meine vergangenen Touren beschreiben, bei denen ich jeweils kurzfristig einen vermeintlichen Monsterhecht an der Leine hatte.

Aber alles der Reihe nach.

Nachdem sich die Barsche allmählich in etwas tieferes Wasser zurückgezogen hatten und jeder Meter an Wurfweite entscheidend war, wechselte ich auf meine altbewährte Barsch-Distanzkombo, anhand einer Yasei Aspius 270 MH und einer in die Jahre gekommene, aber voll funktionstüchtige Rarenium Ci4 4000 FA.

Wie immer bei dieser Fischerei stand ich am Ufer und schleuderte meine Köder in alle Richtungen, mit dem Ziel weiter zu werfen, als je zuvor. Bis auf einige mittlere Barsche und 2 kleine Hecht war ich jedoch nicht wirklich erfolgreich an diesem Tag.

Und so begann das Spiel immer wieder von vorne. Ich ging einen Schritt zurück, öffnete den Bügel, trat einen Schritt nach vorne, bewegte die Rute rechts am Kopf vorbei auf die Startposition, versicherte mich durch einen kurzen Blick auf die Kurbel und ab ging die Post. Der Köder traf auf das Wasser auf, ich begann bis 18 zu zählen um rechtzeitig vor dem Kraut stoppen zu können, kam bei 6 an und es riss mir die Rute nach unten.

Den Anschlag konnte ich mir getrost sparen, da ich umgehend damit beschäftigt war, die passende Bremseinstellung zu finden, die sowohl dem Schub des Fisches als auch dem leichten Barschzeugs gerecht wurde.

Nach ein paar Minuten war ich gänzlich davon überzeugt, dass ich einen ganz großen Hecht am Haken haben musste und da meine Montage mit Stahl versorgt war, es nur mehr eine Frage meines Geschickes sein konnte, dieses Monster zu bezwingen.

Nachdem sich die Fluchten des Fisches aber immer abenteuerlicher gestalteten und dieser auch nach geschätzten 15 Minuten keinen Anflug von Müdigkeit erkennen ließ, zweifelte ich meine anfängliche Hechttheorie stark an.

Kurze Zeit später bestätigten sich meine Bedenken auch, als ein richtiger Brummer von Karpfen auftauchte.

Karpfen_Aspius_1Karpfen_Aspius_2_web

Zu meiner Verwunderung war der Fisch jedoch nicht irgendwo gehakt, sondern dem Sitz des Hakens nach, biss dieser Spaßvogel völlig regulär.

Karpfen_Aspius_3

Ok, dachte ich mir im Nachhinein, Hecht wäre mir zwar lieber gewesen, aber was solls.

 

Drei Tage später, mit ordentlichen Happen ausgestattet, war ich voll und ganz auf Hecht eingestellt.

Prompt beim dritten Wurf kassierte ich auch den ersten Fehlbiss auf einen 25cm langen Gummifisch. Einerseits war ich ziemlich verärgert, die Attacke „versemmelt“ zu haben, andererseits motivierten mich die Schnitte im Köder, weil ich somit wusste, dass ich mit meinen Geschossen nicht völlig daneben lag.

Wenige Würfe später, klingelte es das nächste Mal, dabei hakte ich einen guten 90er, der mir knapp vor den Händen ausschlitzte.

So richtig stinkig zog ich weiter und blieb anschließend eine längere Zeit ohne Fischkontakt. Eigentlich war der Angeltag bereits gelaufen, als ich etwas verzweifelt noch eine letzte Stelle aufsuchte, die alle Voraussetzungen mitbrachte, einen guten Hecht zu beherbergen.

Gerade als ich den Köder über eine leichte Erhöhung führte, schlug es so richtig ein. Trotz des starken Hechtzeugs war ich rasch dazu gezwungen die Bremse zu lockern, da sich ansonsten irgendetwas von meinem Tackle verabschiedet hätte.

Ein Biss an der Großfischstelle! Ich war diesmal fix davon überzeugt, die Mutter aller Hechte am Haken zu haben. Cool bleiben und die Geschichte ruhig zu Ende bringen, waren meine einzigen Gedanken.

Als nach einer gewissen Zeit meine 6000er Saragosa im wahrsten Sinne des Wortes auf Betriebstemperatur kam, ich mich immer noch mit meiner ganzen Kraft gegen den Fisch stemmte, war mir klar, dass an der Hechtgeschichte wieder etwas faul sein musste.

Da ich aufgrund der Power meines Gegenübers mittlerweile auch einen Karpfen ausschließen konnte, kam für mich eigentlich nur mehr ein guter Wels in Frage. Schlau, wie mich vergangene Missgeschicke machten, befreite ich mich gleich rechtzeig von meinen Habseligkeiten, um für eine Wasserlandung bereit zu sein.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bzw. traten bereits die ersten Ermüdungserscheinungen meinerseits ein, als ich von Weitem eine große, schwarze Flosse an der Oberfläche sah, die mir fast schon freundlich zuwinkte. Nach kurzer Verwirrtheit konnte ich dann auch erahnen, was da am anderen Ende versuchte, mich fertig zu machen.

Wieder verstrichen einige Minuten, bis ich langsam etwas Schnur zurück gewinnen konnte und der Fisch allmählich immer näher kam.

Als mir die Ausmaße langsam bewusst wurden, stand ich vor dem nächsten Problem, da eine klassische Handlandung nicht in Frage kam und mein Kescher (obwohl groß) eigentlich viel zu klein war.

Für Außenstehende sicherlich lustig anzusehen, stülpte ich dem Fisch den Kescher über den Kopf und versuchte ihn so zu sichern bzw. ihn Stück für Stück darin verschwinden zu lassen.

Kopfschüttelnd, aber dennoch irgendwie glücklich, stand ich da und konnte es kaum glauben, wieder einen Zahnlosen in den Armen zu halten.

Marmorkarpfen_1Marmorkarpfen_3Marmorkarpfen_2

Ein Hilfsmittel, das ich in solchen Situationen keinesfalls mehr missen möchte, war auch bei diesen beiden Mobbeln meine TRIBAL PROTECTION MAT. Ob Hecht, Karpfen, Zander oder Wels – mit dieser praktischen Abhakmatte lassen sich im Grunde alle etwas korpulenteren Fische versorgen, ohne unnötige Verletzungen zu riskieren bzw. ständig an den Grenzen des Vertretbaren zu kratzen. Macht wirklich Sinn dieses Teil!!!

Tight Lines

Hans-Peter

 

Tackle Karpfen: Shimano Yasei Aspius AX 270 MH 7-28g, Shimano Rarenium Ci4 4000 FA

Tackle Marmorkarpfen: Shimano Technium Spin 86 XXHSS 259cm 45-135g, Shimano Saragosa 6000 SW, Shimano Kairiki 0,28 mm 28 kg stahlgrau.

 

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