Der steinige Weg zum Huchen

Will man zurzeit als oberösterreichischer Spinnfischer aufgrund der Schonzeitregelung trotzdem seine Angel schwingen, bleibt im Prinzip nur die Wahl zwischen Huchen oder Wels. Da mir das winterliche Spinnfischen auf Wels als eine Nummer zu groß erschien, entschied ich mich relativ spontan für einen Huchentrip.

Zur Vorbereitung wurden die Wettervorhersagen für die nächsten Tage studiert. Als ich feststellte, dass uns eine Warmfront erwarten würde, musste alles sehr schnell gehen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich viel über das Huchenfischen weiß, aber dass Tauwetter mitsamt leichtem Pegelanstieg „gute Bedienungen“ sind, ist sehr wohl bis zu mir vorgedrungen.

So nahm ich Kontakt zum Bewirtschafter auf und erkundigte mich bezüglich der Angelerlaubnis. Dieser war etwas verwundert und meinte schmunzelnd, dass ja alles geschont sei. Daraufhin erklärte ich ihm, dass ich gerne auf Huchen angeln möchte, was ihm wiederum ein müdes Lächeln kostete. Dennoch sagte er mir zu.

Perfekt! Ich löste die Lizenz für den nächsten Tag und verband das Ganze gleich mit einem kurzen Revierrundgang.

Als ich am nächsten Morgen sah, dass die Temperaturen um 4 Grad angestiegen waren, war ich voller Optimismus.

Gleich zu Beginn legte ich eine Serie an Abrissen hin, die sich gewaschen hatte. Ich war jedes Mal gezwungen meine Handschuhe zu verwenden, um die 0,32er Power Pro mitsamt 0,60mm Vorfach überhaupt irgendwie abreißen zu können.

Sämtliche Köder zwischen 16 und 30 cm wurden vom felsigen Grund verschlungen, dass es nur so eine Freude war. Der einzig positive Effekt war, ich lernte den FG-Knoten in Rekordzeit zu binden.

Nach vier Stunden ohne Fischkontakt und unzähligen Köderverlusten musste sich etwas ändern. So packte ich meine Sachen und wechselte die Uferseite.

Dort angekommen, „same same but different“! Es war zwar etwas besser, aber dennoch ein Hänger nach dem anderen.

Die Zeit des langen Nachdenkens war vorüber, vielmehr war ich gezwungen, auf Autopilot umzustellen, um überhaupt noch weiter angeln zu können. Ungefähr fünfmal werfen, anschließend mit aller Gewalt abreißen, neu binden und dann wieder zurück an den Start.

Eine Stunde bevor es dunkel wurde, kam ich an einen Bereich, an dem die Strömung mit voller Wucht direkt bis vor meine Füße drückte. Diese Stelle roch förmlich nach Fisch, wobei mir klar war, dass ich auch hier wieder mit Materialverlust zu rechnen hatte.

Gleich nach dem Auswerfen wurde der 18er Gummifisch samt 30 Gramm Jighaken von der harten Strömung erfasst, und nach wenigen Bodenkontakten etwas unterhalb meines Standplatzes gespült.

Bereits beim zweiten Wurf kam auch der Biss, den ich glücklicherweise sicher verwandeln konnte. Dass es sich um keinen Riesen der Gattung Hucho Hucho handelte, war mir relativ schnell bewusst, dennoch war ich überglücklich, als ich ihn im Kescher sah.

Huchen-Kescher

Ich zog die Gesundheit des Fisches einem perfekten Fangfoto vor, was sich am Bildmaterial leider bemerkbar macht.

Huchen-2 Huchen-1 Huchen-release

Als Rute setze ich eine Shimano Biomaster Select Shad S86XH 8’6″ ein. Für mein Gefühl deckt sie mit einem Wurfgewicht von 45-135 Gramm das Köderspektrum +-20 cm für das Huchenfischen perfekt ab. Gepaart mit einer Shimano Biomaster 6000 FB samt 0,32er Power Pro hat man ein Setup, das einerseits noch relativ leicht zu händeln ist, aber dennoch auch vor den wirklich kapitalen Rotfischen bestehen wird.

Zusammenfassend wünsche ich allen, die ihr Glück auf die Großsalmoniden versuchen, viel Erfolg. Nach diesem Tag ist mein Respekt für die eingefleischten Huchenfischer um ein weiteres Stück gewachsen, denn so romantisch sich die Fangberichte oft lesen lassen, so beinhart und erbarmungslos kann der Weg dorthin sein.

Tight Lines, Hans-Peter

0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .