15 Minutes of Fame – Im Winter auf Stromzander

Da steht man den ganzen Tag am Wasser und trotzt Kälte, Wind und Schneeregen. 5 Stunden und 45 Minuten lang geschieht genau gar nichts, doch irgendwo mittendrin – idealerweise nicht gleich zu Beginn des Angeltages – gibt es bei der winterlichen Zanderangelei die berühmten 15 Minutes of Fame. In diesem Zeitfenster haben die Räuber ihre ausgeprägte Fressphase und man kann nicht nur viele, sondern vor allem auch die größten unter ihnen überlisten.

Die großen Süßwasserräuber haben ein “Problem”. Sie müssen auch im Winter regelmäßig genug fressen, um den Stoffwechsel ihrer wuchtigen Körper am Laufen zu halten. Des einen Problem ist des anderen Chance und so pilgere ich auch im Winter bei jedem Wetter und Wasserstand an die Donau und versuche mein Glück.

An einem scheußlichen Wintertag mit Schneeregen und viel Wind treffe ich noch in der Dunkelheit an einem verheißungsvollen Gewässerabschnitt ein und mache mich mit meinem reduzierten Zandertackle auf den Weg. Meine Lieblingskombo (bestehend aus Shimano Aspire DX27H und Shimano Vanquish 4000F) und eine Box mit Kleinzeug und Gummifischen um die 18cm Länge müssen reichen. Die erhoffte Beißphase zur Morgendämmerung tritt leider nicht ein und so angle ich weiter und hangle mich von Spot zu Spot, um dann wieder von vorne zu beginnen. Ich glaube zu wissen, wo die Zander zur Zeit stehen und so konzentriere ich mich auf wenige Angelplätze, die ich wieder und wieder abfische. Stundenlang.

Am späteren Vormittag – die Wetterlage hat sich etwas gebessert und die Wolkendecke lässt zumindest ein wenig Licht durch – meine ich, einen ersten leichten Kontakt verspürt zu haben. Der Fisch dürfte sich auf den extrem langsam geführten No-Action Shad gelegt haben, ist aber beim nächsten Anjiggen des Köders nicht hängengeblieben. Ein Hauch von bereits verloren geblaubtem Optimismus macht sich bei mir breit, denn zumindest dürfte ich mit meiner Standortvermutung richtig gelegen sein.

Wenige Würfe später knallt es endlich in der Rute. Der Fisch gibt sich im tiefen Wasser klar als Zander zu erkennen. Langsam drille ich den feisten Stachler zur Oberfläche und kann ihn per Hand landen. Da ich meine Kamera jedoch aufzubauen vergessen habe,  kann ich nur ein ziemlich dürftiges Selfie mit dem Smartphone schießen, um den Zander möglichst schnell wieder ins kalte Wasser entlassen zu können.

Hier das fotografische Meisterwerk:

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Jetzt stecke ich in einer Zwickmühle, denn genau während der kurzen Beißphase muss ich nun (weil ich davor zu faul dafür war, euch aber trotzdem von meinen Fängen berichten möchte) meine Kamera aufstellen, und die wertvollsten Minuten des Tages dafür verschwenden. Zum Glück sitzt mittlweile jeder Handgriff. Die Kamera steht sicher und der Selbstauslöser ist konfiguriert – weiter geht’s! “Von den 15 Minutes of Fame bleiben mir noch 10”, denke ich – ehe ich mich’s versehe, durchfährt der nächste Tock meine kalten Finger. Wieder ein guter Fisch, der sich jedoch wenige Zentimeter vor meiner zum Landen ausgestreckten Hand vom spitz hängenden Stinger befreit.

Schnell erhole ich mich von dem Ärger und konzentriere mich auf die potentiell letzten Minuten der Beißphase. Konzentriert lasse ich den großen Gummifisch am eigentlich fast zu leichten Jigkopf im Zeitlupentempo über den Grund hüpfen und muss tatsächlich nicht lange warten. Mit einem durchs Mark gehenden “Rums” zieht es meine Rutenspitze richtung Wasseroberfläche und ich quittiere die harte Attacke mit einem saftigen Anhieb, der meinem Kontrahenten wohl ebenso durchs Mark gegangen sein muss. Wütend über den störenden Zug versucht sich der offensichtlich kapitale Stachelritter seiner  Beute zu entledigen. Ich halte mit aller Macht dagegen, denn ich weiß, man darf großen Zandern im Drill keine Chance lassen – je länger der Drill dauert, desto eher kann man den Fisch noch verlieren. Ich habe Glück und alles läuft diesmal wie am Schnürchen. Bereits beim ersten Landeversuch greifen meine klammen Finger an der richtigen Stelle zu und ein herrlich fetter Winterzander macht einen Ausflug an die frische Luft – was für ein Fisch!

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Natürlich ist während der Fotosession, dem Releasen des Fisches und dem Suhlen in der Freude über den Fang einige Zeit vergangen, doch wer weiß, denke ich und versuche mein Glück noch an den anderen heißen Spots. Doch die 15 Minuten des Ruhms sind vorüber und die Zander wieder auf Sparflamme. Wer jetzt nicht genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und auch noch genau das richtige tut, meint wohl, vor einem leeren Gewässer zu stehen. Doch wer es ist und tut, dem sind die schönsten Raubfische der ganzen Saison vergönnt!

Wer noch mehr über meine Strategie und Herangehensweise beim Zanderangeln am Strom erfahren möchte kann sich hier meinen Vortrag vom Fishing Festival 2015 ansehen: http://tough-angler.com/zanderangeln-am-strom-fishing-festival-2015/

So long und tight lines!
Euer Andreas Zachbauer

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